von Maren Welsch
im Buch "Erwerbungen 1990-2000"
2000
Seit 1991 arbeitet Britta Hansen mit Bildträgern aus Keramik. Zunächst entstehen plane, an holländische Kacheln erinnernde Quadrate mit ‚heimeligen‘ Familienszenen, die dennoch der Tücke – ob des mythologischen Hintergrundes – nicht entbehren. Darauf folgt eine Reihe größerer, gewölbter Ovale mit mythischen oder biblischen Paardarstellungen, die inhaltlich an die quadratischen Arbeiten anschließen. Als Vorlage dienen jetzt Ausschnitte aus bekannten Gemälden. Ob ADAM UND EVA oder MARS UND VENUS, diese Liebespaare wirken überhaupt nicht antiquiert, sondern durchaus zeitgemäß, obwohl sie ihre klassische Herkunft keinen Moment verbergen. Übersät mit Schlüssellöchern für Schlüssel jeglicher Art, hat Britta Hansen die alten Themen buchstäblich wieder erschlossen und läßt zugleich auch an den voyeuristischen Blick durchs Schlüsselloch denken. Die ehedem den Menschen überlegenen Götter haben ihre Macht über die Menschen verloren und diese schauen ihrem Treiben durchs Schlüsselloch zu.
In diesen Kontext gehört auch ADAM UND EVA IM IRDISCHEN PARADIES (1998). Während der Künstler des 18. Jahrhunderts das Paradies und seine Tiere so weitschweifig wie möglich gemalt hat, findet sich bei Britta Hansen eine bewusst ausgewählte, komprimierte Weltlandschaft, die nicht alle Einzelheiten der Vorlage wiedergibt. Die heutige Vorstellung vom Paradies ist sowieso eine andere und die Darstellung zugleich eine Interpretation der Interpretation.
Eine Besonderheit bildet auch der technische Umgang mit dem Material. Um den Arbeiten den Charakter von Radierungen zu geben, was dem Medium Keramik ja ganz fremd und eigentlich unmöglich ist, arbeitet Britta Hansen hier mit fünf Stempeln, die in den Ton gedrückt werden um gleichmäßige und gratfreie Linien zu prägen. Durch diesen freien Umgang mit Material und Technik erschließt sich die klassische Kunst wieder neu – und erhält gerade durch die Verfremdung ihre Aktualität: insbesondere ADAM erhält über diesen Weg ein durch und durch modernes Gesicht und unterstreicht den Zeitensprung.
Literatur:
Kat. Britta Hansen “Glückliche Tage“, Künstlerhaus Lauenburg 1992;
Kat. Britta Hansen, Reliefobjekte und Plastiken, SP Schweiz, Bern 1994;
Britta Hansen, Keramische Bildplatten „Paradies“ und „Zuhause im Gehege“, Kiel 1999.
Erschienen im Buch "Erwerbungen 1990-2000"
Hg. Beate Ermacora und Hans Werner Schmidt,
Kunsthalle zu Kiel und Schleswig-Holsteinischer Kunstverein, 2000